Das richtige Mundstück

Bild Mundstücke

Die Wahl des richtigen Mundstücks ist sehr bedeutend für einen Bläser. Das Mundstück nimmt einen entscheidenden Einfluss auf den Ton, die Sicherheit und Ausdauer des Spielers. Daher ist ein gewisses Basiswissen über den Aufbau des Mundstücks nützlich, um bei einer Neuanschaffung eine gewisse Vorauswahl treffen zu können. Im Handel werden so viele verschiedene Typen angeboten, dass Du unmöglich alle ausprobieren kannst.

Die meisten Trompeter fangen mit dem Mundstück der Größe 7C an. Diese Größe ist am populärsten. Wahrscheinlich deshalb, weil ein solches Mundstück meistens bei einem neuen Instrument dabei ist. Diese Größe stellt bezüglich des Kesseldurchmessers und der Kesseltiefe ein gesundes Mittelmaß dar. Ob das individuell die richtige Wahl ist, sollte am Anfang der Lehrer zusammen mit dem Schüler entscheiden. Ist man weiter fortgeschritten wird man selbst entscheiden können, ob doch eine andere Größe besser den eigenen Vorstellungen entspricht.
Die Größenangaben unterscheiden von Hersteller zu Hersteller. 7C beispielsweise ist eine Angabe der Firma Bach. Die Zahl in dieser Angabe repräsentiert den Durchmesser, der Buchstabe steht für die Kesseltiefe. Manche Hersteller haben diese Deklarierung übernommen, andere Hersteller haben andere Zahlen-/Buchstabenkombinationen. Deren Bedeutung findest Du auf den jeweiligen Internetseiten. Hier gibt es auch meist eine Vergleichstabelle mit anderen bekannten Herstellern. Leider beziehen sich diese meistens auf die Standard-Kesseltiefe.

Ein Vergleichsdiagramm verschiedener renommierter Hersteller findest Du hier als Download. Dieses Diagramm hat den Vorteil, dass die Kesseltiefe berücksichtigt ist. Zusätzlich ist schnell ersichtlich, welche verschiedenen Mundstücke sich im Umfeld einer bestimmten Größenordnung befinden.
Wer doch lieber mit einer Tabelle arbeitet, der findet eine sehr umfassende hier.

Bild Mundstück-QuerschnittDoch nun zu dem Aufbau des Mundstücks. Dieses ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die bei einer Auswahl relevant sind und im Folgenden erklärt werden. Eine Vergleichbarkeit von Mundstücken verschiedener Hersteller aus der Theorie heraus ist schwierig, da die verwendeten Angaben nicht normiert sind. Ein sehr flacher Kessel beim Hersteller A ist bei Hersteller B vielleicht nur ein mittelflacher Kessel. Mundstücke mit gleichem Durchmesser können sich bei verschiedenen Herstellern, bedingt durch ein anderes Randprofil und einer anderen Form der Randinnenkante, anders anfühlen. Deswegen können die Angaben der Hersteller nur als Richtschnur dienen. Um ein Ausprobieren kommst Du nicht herum.

Der Rand ist extrem wichtig für einen Spieler. Der Rand ist in direktem Kontakt mit den Lippen und sollte sich so gut wie möglich anfühlen. Hier gibt es mehrere Aspekte, die zu beachten sind.
Die Randbreite hat einen starken Einfluss auf die Flexibilität der Lippen und die Ausdauer des Spielers.
Breiter Rand: Die Flexibilität wird durch die große Auflagefläche reduziert. Die Ausdauer jedoch erhöht sich, da sich der Druck auf die Lippen auf mehr Fläche verteilt. Die mangelnde Flexibilität macht sich gerade bei mittleren bis großen Tonsprüngen bemerkbar. Der Ton neigt dazu etwas dumpf zu werden.
Schmaler Rand: Dieser verhält sich quasi umgekehrt. Hierbei wird die Flexibilität erhöht, die Ausdauer reduziert sich durch die kleiner Auflagefläche jedoch. Das Randprofil steht in direktem Zusammenhang mit der Randinnenkante. Hier gibt es:

  • flache Ränder = mit scharfer Kante (kleiner Kantenradius)
  • gewölbte Ränder = mit abgerundeter Kante (mittlerer Kantenradius)
  • runde Ränder = mit runder Kante (großer Kantenradius)

Eine scharfe Randinnenkannte unterstützt klare, saubere Einsätze. Bindungen klingen jedoch etwas abrupter. Je abgerundeter die Randinnenkante ist, desto mehr gehen diese Eigenschaften ins Gegenteil. Eine runde Randinnenkante erleichtert zwar weiche Bindungen, erschwert jedoch klare Einsätze, was sich gerade bei Stakkato-Tönen bemerkbar macht. Da die renommierten Hersteller keine verschiedenen Randformen bei gleicher Mundstückgröße anbieten, ist ein Ausprobieren schwer möglich. Hier kannst Du nur das jeweilige Pendant eines anderen Herstellers nehmen und ausprobieren, wie Du damit zurechtkommst.

Der Kesseldurchmesser sollte so gewählt werden, was für einen selbst am komfortabelsten ist. Die Mitte liegt in etwa bei 16,5 mm (Bach 7C). Je schmaler das Mundstück ist, desto leicher fällt die Höhe. Bedacht werden sollte hierbei allerdings, dass sich die Kesseltiefe nicht ändert, wählt man beispielsweise ein 10-1/2C anstelle eines 3C aus. Das dadurch resultierende geringere Kesselvolumen lässt den Ton nicht mehr so voll und vielmehr hell und etwas dünner klingen. Deswegen ist auch von engen und gleichzeitig flachen Mundstücken ehr abzuraten.

Die Kesseltiefe hat einen entscheidenden Einfluss auf die Tonfülle, Intonation und Klangfarbe des Instruments. Ein flacher Kessel erleichtert das höhere Register und macht den Ton heller und strahlender. Das Instrument wird insgesamt höher, so dass Du den Stimmzug etwas mehr rausziehen musst als bei einem Mundstück mit einem tieferen Kessel. Ein tiefer Kessel erleichtert das untere Register, das obere Register ist jedoch anstrengender zu spielen. Der Klang wird mit zunehmender Kesseltiefe voller und runder. Die Angabe der Kesseltiefe ist nicht normiert, so dass jeder Hersteller eine andere Vorstellung davon hat, was beispielsweise ein mitteltiefer Kessel ist.

Die Bohrung ist die engste Stelle beim Mundstück und trägt wesentlich zu dem gefühlten Blaswiderstand bei. Weite Bohrungen verringern den Blaswiderstand, enge Bohrungen erhöhen ihn. Mundstücke sind oft mit verschiedenen Bohrungen erhältlich. Eine große Bohrung trägt zu einem vollen Ton bei und man hat ein freies Blasgefühl. Dies geht jedoch zu Lasten der Dynamik. Pianissimo Passagen lassen sich bei sehr großen Bohrungen nur schwer spielen. Bei zu engen Bohrungen verliert der Ton an Fülle, tiefere Töne klingen zu spitz. Generell fährt man mit der Standard-Bohrung der Hersteller ganz gut. Hast du ein Mundstück gefunden, welches Dir vom Kessel und von Durchmesser zusagt, kannst du verschiedene Bohrungen testen. Auf allzu große Abweichungen vom Standard solltest du jedoch verzichten, da dies meist Sonderanfertigungen sind und bei Nichtgefallen nicht zurückgegeben werden können.

Die Rückbohrung steht in direktem Zusammenhang mit allen oben genannten Parametern des Mundstücks. Sie lässt den Ton dunkler oder brillanter werden. Sie kann die Stimmung des Instruments teilweise oder ganz beeinflussen, was auch zu Intonationsproblemen führen kann. Hier ist man gut beraten, zunächst den Hersteller-Standard zu nehmen. Bist du mit deinem Mundstück bezüglich Kesselform und -durchmesser zufrieden, kannst du hier noch ein wenig modifizieren und andere Rückbohrungen ausprobieren. Auch wenn der Hersteller es ermöglicht, die Rückbohrung frei zu wählen und eine Sonderanfertigung herzustellen, sollte man auf große Abweichungen von Standard verzichten. Sonderanfertigungen sind nicht preiswert und können nicht zurückgegeben werden, wenn du mit dem Ergebnis nicht zufrieden bist.

Bild Kunststoff-MundstückDas Material eines Mundstücks besteht meist aus Messing, welches versilbert wird. Manche Hersteller bieten auch Mundstücke aus anderen Materialien wie Alu, Holz oder Kunststoff an. Heraushebens Wert sind hierbei die Kunststoff-Mundstücke. Neben den poppigen Farben, die jedoch nicht zwingend jedermanns Sache sind, haben sie eine besondere positive Eigenschaft. Bei kaltem Wetter fühlen sie sich, gegenüber herkömmlichen Mundstücken, wesentlich wärmer auf den Lippen an. Der Klang dieser Mundstücke ist bei bekannten Herstellern sehr gut. Abzuraten ist von No-Name Herstellern. Das gilt allerding auch für die Metall-Varianten.

Bei aller Theorie hilft jedoch am meisten, verschiedene Mundstücke selbst auszuprobieren. Definiere für dich selbst, für welchen Einsatzzweck das Mundstück bestimmt ist und welches Klangideal es unterstützen soll. Suchte dir einen Händler mit entsprechend großer Auswahl und probiere verschiedene Typen aus. Frag‘ nach, ob du eine Auswahl mit nach Hause nehmen kannst. Um unterschiedliche Kombinationen von Kesseldurchmesser und -tiefen mit verschiedenen Bohrungen und Rückbohrungen auszuprobieren, bietet sich eine modulares System an. Bekannte Hersteller sind beispielsweise Breslmair, Klier oder Warburton.

Damit du ungefähr weißt, in welche Richtung du dich umschauen kannst, hier eine kleine Auswahl:

Orchester
Bach 1-1/2C, Bach 3C, Schilke 16, Schilke 13C4, Yamaha 16C4-GP

 

Big Band
Bach 3C, Bach 3D, Schilke 13A4, Yamaha 14A4a

 

Piccolo-Trompete
Bach 3D, Bach 3E, Schilke 14A4x

Die oben genannte Auswahl muss nicht für jeden die Richtige sein, eignet sich allerdings für viele. Es gibt durchaus Trompeter, die trotz eines engen und flachen Mundstücks einen schönen vollen Ton haben. Oder welche, die mit einem tiefen und weiten Mundstück in höchste Höhen kommen.

Bedenke jedoch bei aller Werbung und allen Marketingsprüchen der Hersteller, dass es kein Wundermundstück gibt. Es gibt kein Mundstück, auf dem Du plötzlich eine Oktave höher spielen kannst oder auf dem Du sofort einen super-wundervollen Ton hast. Tonbildung und Höhe ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der Zeit benötigt. Durch kein Mundstück der Welt erreichst Du sofort Dein Ziel.

 

© brass-tipps, td

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