Erste Hilfe für hohe Töne

Bild Erste Hilfe

Das Erreichen von Tönen der oberen Hälfte der zweiten Oktave und insbesondere darüber hinaus, ist für viele Trompeter eine große Herausforderung. Mit den hier beschriebenen Tipps erreichst du schnell eine leichtere Höhe und mehr Ausdauer.

Gleich vorneweg: Ich möchte deine Euphorie ungern bremsen, aber dies ist keine Anleitung nach dem Schema „In null komma nix zum C4“. Diese Tipps beschreiben Übungen, die recht einfach sind und die, zwar nicht über Nacht, aber in wenigen Wochen einen gewissen Erfolg bringen. Die Übungen nehmen nicht viel Zeit in Anspruch und können in das tägliche Übungsprogramm aufgenommen werden.

  1. Lippen-Buzzing: Diese Übung sollte ohne Mundstück durchgeführt werden. Circa 5 bis 10 Minuten pro Tag für die Dauer von 4 Wochen reichen vollkommen aus. Mehr nicht, da ansonsten die Lippen steif werden könnten. Danach nur circa 1 Minute pro Tag. Diese Übung sollte über deine komplette Range durchgeführt werden. Beginne dabei so hoch wie möglich. Diese Übung dient dazu, eine sehr kleine Lippenöffnung zu trainieren, wie sie für hohe Töne benötigt wird.
  2. Bleistift-Hantel: Hierzu nimmst du einen normal langen Bleistift mit dem stumpfen Ende zwischen deine Lippen. Spanne deine Lippen so an, dass die Spitze nach vorne zeigt. Halte den Bleistift in dieser Position für maximal 4 Minuten. Nach einiger Zeit fangen deine Lippenmuskeln an zu brennen. Das sind genau die Muskeln, die du für die hohen Töne brauchst. Am Anfang wirst du wahrscheinlich keine 4 Minuten schaffen. Halte den Bleistift so lange wie möglich, dann lockere Deine Lippen und wiederhole die Übung, bis die 4 Minuten vorüber sind.
  3. Einstellung des Ansatzes (Ansatzmaske): Ein häufiges Problem ist, das der Ansatz auf zu tiefe Töne eingestellt ist. Spielst Du Dich in der Region C1 – G1 ein, ist Dein Ansatz auf die unteren Töne eingestellt. Das führt dazu, dass die Töne ab dem C2 zunehmend schwieriger zu erreichen sind. Der Ansatz muss bis zum C3 eine Höhendifferenz von eineinhalb bis zwei Oktaven überbrücken. Teste es einmal selbst aus, mit einem auf C1 eingestellten Ansatz eine Bindung über alle Naturtöne bis zum C3 durchzuführen. Das fällt dir vielleicht nicht leicht. (Wenn du damit kein Problem hast, hast du wahrscheinlich auch kein Problem mit der Höhe. 😉 ) Daher solltest du dir angewöhnen, den Ansatz schon beim Einspielen und auch darüber hinaus auf C2, E2 oder G2 einzustellen. Natürlich je nach eigenem Leistungsstand. Ein Ansatz, der auf G2 eingestellt ist, muss bis zum C3 nur eine halbe Oktave überwinden. Das ist wesentlich einfacher als zwei Oktaven. Die Töne unter G2 zu erreichen ist gar kein Problem, da es relativ einfach ist, die Lippen zu entspannen um tiefere Töne zu erreichen. Achte darauf, die Ansatzmaske für unterschiedliche Tonhöhen nicht zu verändern.
  4. Pianissimo-Spiel: Das ist eine typische Tonaushalte-Übung. Spiele hierzu ein G1 im sforzando an, führe dann ein decrescendo aus und spiele so leise wie möglich (pppp). Den Ton hältst du so lange wie möglich. Diese Übung kannst du so lange machen wie du möchtest, mindestens jedoch 5 Minuten. Diese Übung trainiert, genau wie die Übung 1, eine möglichst kleine Lippenöffnung, nur diesmal mit dem Instrument. Zur Abwechslung kannst Du auch andere Töne nehmen. Beginne auf G1, dann C2, E2, etc. Zusätzlich kannst Du die Töne mit Breath-Attack anspielen, damit trainierst du zusätzlich Deine Koordination zwischen Luft, Lippe und Stütze.

Ein Vorteil der Übungen 1 und 2 ist, dass diese zu jeder Tageszeit durchgeführt werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese ohne Mundstück auskommen und somit die Lippen nicht durch den Mundstückdruck belastet werden.

Generell solltest du mit so wenig Mundstückdruck wie möglich arbeiten aber dennoch so viel, dass ein stabiler Ansatz und schöner Ton gewährleistet ist. Das ist leichter gesagt als getan. Insbesondere dann, wenn du es über lange Zeit schon so gewohnt bist. Übst du zu viel Druck mit dem Mundstück aus, ist mit der Höhe ungefähr bei G3 schluss. Diesen Effekt kann man folgendermaßen erklären: Der von dir generierte Luftdruck lässt die Lippen auseinanderdriften. Die Lippenspannung schließt die Lippen wieder. Die so im Instrument generierten Druckwellen üben ein gewisses Feedback auf die Lippen aus, welches das periodische Öffnen und Schließen unterstützt. Dieses Feedback vom Instrument wird geringer, je höher man spielt. In etwa bei G3 ist dieses Feedback nicht mehr vorhanden. Bei diesen hohen Tönen ist die Lippenöffnung so klein, dass ein zu hoher Mundstückdruck die Lippen, ohne das Feedback vom Instrument, endgültig schließt.

Ein weiterer Aspekt ist die mentale Einstellung zu hohen Tönen. Denke niemals „o Gott, ist das hoch“. Diese Gedanken bauen eine innere Blockade auf. Stell dir eine Kerze vor, die du ausblasen sollst. Bei tiefen Tönen steht sie direkt vor deinem Instrument. Je höher du spielst, desto weiter weg steht sie. Stell dir vor, bei C2 steht sie zwei Meter weit weg, bei G2 vier Meter, bei C3 acht Meter, etc.

Zuletzt sei noch gesagt: Wer hoch spielen will, muss hoch spielen! Schau dir dein Übungsprogramm an. Normalerweise sind 80 bis 90% der Etüden oder Stücke maximal bis G2. Erweitere dein Übungsprogramm so, dass mindestens 50% der Übungen sich im Bereich zwischen C2 bis C3 abspielen. Für das erste Herangehen oktaviere die Übungen einfach so weit wie du kannst. Versuche hierbei so musikalisch wie möglich zu klingen.

Viel Erfolg!

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