Vorsicht – Aufnahme! (Teil 1)

Bild Vorsicht Aufnahme Teil 1

Die Möglichkeit gut klingende Audio-Aufnahmen zu erstellen ist in den letzten Jahren immer einfacher und preiswerter geworden. Sei es, um das eigene Üben zu analysieren oder um Probenmittschnitte zu erstellen. Selbst Mehrspuraufnahmen lassen sich auf einfache Weise realisieren. Die Aufnahmehardware sowie auch die notwendige Software ist inzwischen so erschwinglich geworden, dass jeder sich diese leisten kann. Dieses Tutorial beleuchtet zwei verschiedene Lösungen. Wir stellen Euch verschiedene Hardware zur Audioaufnahme und auch die passende Software vor, die nötig ist, um gute Aufnahmen zu generieren.

Low-Budget Lösung

Die einfachste Möglichkeit sich selbst aufzunehmen ist über einen mobilen Digital-Recorder. Diese Geräte gibt es inzwischen bereits ab ca. 100,- Euro. Empfehlenswert sind die Geräte Tascam DR-05, Tascam DR-22WL, Olympus LS-12, Zoom H2n und Zoom H4nSP. Die Aufnahmen werden auf SD-Karte gespeichert. Alle Geräte verfügen über eine USB-Schnittstelle, mit der die Audiodateien auf den Computer übertragen werden können. Die Geräte nehmen wahlweise im MP3 oder WAV-Format auf. Die Aufnahme-Qualität lässt sich einstellen. Da die Speicherpreise der SD-Karten inzwischen sehr gering sind, solltet Ihr die Geräte mindestens auf CD-Qualität (16bit/44,1kHz) einstellen. Damit habt Ihr schon die Voraussetzung geschaffen, einfache Aufnahmen von Euch selbst oder Probenmitschnitte zu erstellen. Zum nachträglichen Bearbeiten benötigt Ihr noch eine DAW-Software (DAW = Digital Audio Workstation). Diese Software liegt meist beim Gerät bei. Hier handelt es sich um Light-Versionen professioneller DAW-Software wie Cubase oder Wavelab. Diese reichen jedoch für das gelegentliche Aufnehmen und ausprobieren mehr als aus. Liegt keine Software bei, ist für Einzel- und Mehrspuraufnahmen die Freeware Audacity zu empfehlen. Für Besitzer eines MAC empfiehlt sich die Software Garage Band, die schon vorinstalliert ist.

Meist können Digital-Recorder auch direkt als Audiointerface genutzt werden. Um Euch später nicht einschränken zu müssen, solltet Ihr beim Kauf unbedingt darauf achten, dass diese Möglichkeit besteht. Hierbei wird direkt über den Digital-Recorder im Computer in der DAW-Software aufgenommen. Die Hardware-Voraussetzungen des PCs sind die gleichen wie bei der semiprofessionellen Lösung. Der PC sollte ein recht aktuelles Gerät sein. Zum Kontrollieren der Aufnahmen sollten, da es sich um die Low-Budget-Lösung handelt, die Stereoanlage oder gute Desktop-Lautsprecher ausreichen. Jedoch bitte nicht Laptop-Lautsprecher verwenden. Diese sind in jeglicher Hinsicht ungeeignet. Des Weiteren benötigt Ihr, insbesondere für Mehrspuraufnahmen, noch Kopfhörer. Hier reichen In-Ear-Modelle, die oft beim Handy dabei sind. Wichtig ist nur, dass bei der Aufnahme kein Klang vom Kopfhörer nach außen gelangt.

Die einfachste und preiswerteste Lösung lautet also: Digital-Recorder inklusive DAW-Software. Ein großer Vorteil hierbei ist, dass Ihr den Recorder für alle möglichen Aufnahme-Sessions gebrauchen könnt, ohne viel Equipment aufbauen zu müssen. Also einfach sinnvoll im Raum platzieren, „Record“ drücken und fertig.

Semiprofessionelle Lösung

Wer schon erste Erfahrungen mit Audioaufnahmen, Audiobearbeitung und Lust auf mehr hat, für den ist diese Lösung interessant. Diese Lösung setzt einen aktuellen PC oder Laptop voraus. Dieser sollte, auch gerade im Hinblick auf Mehrspur-Aufnahmen, nicht zu schwachbrüstig sein. Er sollte mit Windows 7 laufen und mindestens 4GB RAM besitzen. Also bitte nicht einen ausgedienten, 15 Jahre alten PC mit Windows XP nehmen. Das wird nicht zufriedendstellend funktionieren. Da Ihr Euch bei der Aufnahme mit dem PC in einem Raum befindet, sollte dieser auch nicht zu laut sein. Eventuell ist daher ein Laptop einem stationären PC vorzuziehen. Optimaler Weise habt Ihr einen schalloptimierten PC oder, wenn Ihr sowieso einen neuen braucht, könnt Ihr Euch diesen gleich entsprechend zusammenstellen und bauen lassen. Neben dem schallisolierten Gehäuse solltet Ihr dann eine SSD, Silent Netzteil, Silent-CPU-Lüfter sowie eine Grafikkarte mit passiver Kühlung bzw. leistungsabhängigen Lüftern verwenden. Nun zur weiteren Hardware die benötigt wird:

Audiointerface: Das Audiointerface (AI) verbindet ein Mikrofon oder andere analoge Audioquellen mit dem Computer und wandelt die analogen Signale in digitale um. Die gewandelten Signale werden über USB (PC/MAC) oder Firewire (MAC) in den Computer übertragen. Das AI sollte die Signale mindestens in 24bit/48kHz wandeln und ausgeben können. Weiterhin sollte es mindestens 2 Mikrofoneingange mit zuschaltbarer Phantomspeisung und 2 Line-Eingänge besitzen. Damit habt Ihr die Möglichkeit 4 separate Mono-Spuren bzw. 2 Stereo-Spuren aufzunehmen. Mit den zwei Mikrofoneingängen sind Stereo-Aufnahmen möglich, über die Line-Eingänge kann zusätzlich beispielsweise ein Stagepiano, Synthezizer oder Keyboard angeschlossen werden. Ein nicht ganz unwichtiges Detail: Der Kopfhörer-Ausgang und der Monitor-Ausgang sollten in der Lautstärke getrennt geregelt werden können. Das hat den Sinn, dass man während der Aufnahme die Monitorboxen stummstellen kann. Ansonsten müsste man die Monitorboxen bei der Aufnahme ausschalten und zum Abhören ohne Kopfhörer wieder einschalten. Das kann bei Mehrspuraufnahmen lästig werden. Brauchbare Audiointerfaces bekommt man ab 140,- Euro. Empfehlung für diese Spezifikation: Yamaha AG06, Steinberg UR242, Akai EIE Pro. Kann man auf die separaten Line-Eingänge verzichten, wird es etwas preiswerter. Empfehlung hier: Steinberg UR22, Mackie Onyx Blackjack, Focusrite Saffire 6 USB. Es gibt natürlich auch Audiointerfaces, die wesentlich mehr Eingänge bieten. Diese sind jedoch auch wesentlich teurer. Hier solltet Ihr Euch gut überlegen, was Ihr braucht, auch in die nähere Zukunft gedacht. Unter Umständen kauft Ihr sonst zweimal.

Mikrofon: Das Mikrofon nimmt einen entscheidenden Einfluss auf den Klang der Aufnahme. Low-Budget-Mikrofone, die deutlich unter 100,- Euro kosten, solltet Ihr daher nicht berücksichtigen. Gute Mikrofone beginnen so ca. bei 100,- Euro. In diesem Preisbereich gibt es gute dynamische Mikrofone. Im Studiobereich werden meist Großmembran-Mikrofone eingesetzt. Diese spielen hinsichtlich des  Klangs in einer anderen Liga und lösen viel detailreicher auf. Allerdings sind diese auch nicht ganz preiswert. Bei der Auswahl sollte unbedingt der Schalldruck des Instruments berücksichtigt werden. Eine Trompete kommt hierbei schon mal auf 140 dBA. Bei dynamischen Mikrofonen ist das nicht so kritisch, bei Großmembranern schon. Empfehlenswerte dynamische Mikrofone sind: AKG P4, Sennheiser E609, EV RE320, Sennheiser MD421, EV RE20. Empfehlenswerte Großmembran-Mikrofone sind: AKG P420, Rode NT2-A, Rode NT2000, AKG C414. Da der Klang immer Geschmackssache ist, sollte man sich eine Auswahl zur Ansicht bestellen, um selbst einen Eindruck zu bekommen. Es gibt auch bei preiswerten Mikrofonen gute Modelle. Das AKG P4 beispielsweise ist zwar recht preiswert, hat aber einen sehr präsenten Klangcharakter. Das beliebte Gesangsmikrofon Shure SM58 sollte ehr nicht verwendet werden, da der Frequenzgang für Gesang optimiert und mittenbetont ist.

DAW-Software: Eine Light-Version dieser Software liegt oftmals beim Audiointerface bei. Diese Software reicht für die ersten Schritte zwar aus, sollte jedoch bald, nach einer Eingewöhnungszeit, durch eine höherwertigere Version ersetzt werden. Hinsichtlich der Bearbeitungsmöglichkeiten sind diese Light-Versionen stark limitiert. Gerne wird die Software Cubase AI beigepackt. Cubase ist eine renommierte DAW-Software der Firma Steinberg, die weltweit in Studios eingesetzt wird. Mit verschiedenen Plugins kann die Software individuell erweitert werden. Cubase gibt es in diversen Versionen. Die Unterschiede sind auf der Homepage des Herstellers Steinberg unter Line-Up aufgeführt. Hier kann man die nach seinen individuellen Bedürfnissen zugeschnittene Version auswählen. Mit dieser Software macht Ihr also nichts falsch. Als Upgrade oder als Education-Version kann hierbei Geld gespart werden. Der Preis für die nächst höhere Version (Cubase Elements) liegt als Upgrade von Cubase AI bei ca. 49,- Euro. Ohne Upgrade-Möglichkeit liegt der Preis bei rund 100,- Euro. MAC-User können, wenn sie nicht Cubase nutzen möchten, zunächst Garage Band verwenden und später auf Logic Pro aufrüsten. Dies ist ebenfalls eine professionelle Software, die Studioansprüchen gerecht wird. Der Preis für Logic Pro liegt bei 199,- Euro.

Monitor-Boxen: Diese sind für die ersten Schritte nicht unbedingt erforderlich. Ein guter Stereoverstärker und gute HIFI-Boxen reichen zunächst aus, falls diese vorhanden sind. Hierbei sind jedoch nicht ein Compact-Verstärker und 50 Euro Discounterboxen oder 5.1 Suroundsysteme mit Mini-Boxen und Subwoofer gemeint. PC-Desktop-Boxen sind für ernstgemeintes Mixing ebenfalls ungeeignet. Die Boxen sollten auf dem Schreibtisch neben dem Monitor platziert sein. Bei dieser Konstellation ist darauf zu achten, dass sämtliche Klangbeeinflusser ausgeschaltet sind. D.h. Bass und Höhen auf null, DSP-Effekte aus. Ein reiner Stereoverstärker hat meist einen Knopf, der mit „Source Direct“ oder ähnlichem bezeichnet ist. Diesen bitte drücken. Hiermit umgeht Ihr die interne Signalbearbeitung. Der Nachteil dieser Lösung liegt darin, dass HIFI-Boxen nicht so linear arbeiten wie Studio-Monitore. Das bedeutet, dass das Audiosignal „schöngefärbt“ wird. Wie stark die Beeinflussung ist, hängt von den jeweiligen Boxen ab. Weiterhin sind diese nicht unbedingt auf nahes Abhören optimiert, sondern ehr um einen Raum im Gesamten gut zu beschallen. Die Detailtreue ist ebenfalls, je nach Qualität der Boxen, sehr unterschiedlich. Daher solltet Ihr über die Anschaffung von aktiven Studio-Monitoren nachdenken. Ab ca. 300,- Euro erhaltet Ihr ein brauchbares Paar. Ein Verstärker wird hierfür nicht benötigt. Bei aktiven Studio-Monitoren ist der Verstärker schon eingebaut und auf den Lautsprecher abgestimmt. Empfehlenswert sind hier: Samson Resolv SE6, Yamaha HS7, Mackie ME6 Mk3. Eine Preiskategorie höher: Samson Resolv SE8, Yamaha HS8, Mackie ME8 Mk3 und Adam F7. Da auch Studiomonitore unterschiedlich klingen, solltet Ihr in ein größeres Musikhaus gehen, Euch beraten lassen und probehören. Testet vorzugsweise mit Musik, die Ihr auch aufnehmen wollt.

Kopfhörer: Damit Mehrspuraufnahmen möglich sind, ist ein Kopfhörer unerlässlich. Bei Spuren, die hintereinander aufgenommen werden, werden die schon aufgenommenen vom Computer über den Kopfhörer ausgegeben. Damit das, was über den Kopfhörer abgespielt wird, nicht mit auf der neuen Spur landet, muss ein geschlossenes Modell verwendet werden. Dieses lässt keinen Schall nach außen dringen. Möchtet Ihr lediglich das Playback darüber abspielen lassen, reicht ein In-Ear-Kopfhörer. Diese sind meist beim Handy oder MP3-Player dabei. Möchtet Ihr mehr, solltet Ihr in einen Studio-Kopfhörer investieren. Gute Modelle fangen bei ca. 140,- Euro an. Beliebte Modelle, die oft in Studios Verwendung finden, sind: Beyerdynamic DT-990 PRO oder AKG K-271 MKII.

Wer die semiprofessionelle Lösung wählt, sollte bei keiner der oben genannten Voraussetzungen sparen. Diese sind die Mindestvoraussetzungen. Sicherlich gibt es Mikrofone direkt mit USB-Ausgang oder Audiointerfaces die direkt ans Mikrofon gesteckt werden können. Diese Lösungen sind jedoch vom Endergebnis her nicht optimal. Sie sind sehr kompromissbehaftet. Sei es von der Audioqualität, späteren Erweiterbarkeit oder weiteren Nutzung. Die Investitionssumme bei dieser Lösung liegt, inkl. diversen Kleinmaterials wie Kabel und Mikrofonständer, bei mindestens 650,- Euro (ohne PC). Wer hier sparen muss, dem ist wahrscheinlich besser mit der Low-Budget-Lösung gedient, die sich hinsichtlich der Audioqualität auch nicht unbedingt verstecken muss (siehe Audiobeispiele).

Fazit

Beide Lösungen haben ihre Vor- und Nachteile. Die semiprofessionelle Lösung ist zwar nicht so simpel einsetzbar wie die Low-Budget-Lösung, jedoch generiert man hierbei die besseren Aufnahmen. Wer sich tiefergehend mit professionelleren Aufnahmen und Homerecording beschäftigen möchte, sollte diese Lösung in Erwägung ziehen. Für den Anfang und zum Reinschnuppern in die Materie reicht die Low-Budget-Lösung vollkommen aus. Auch für einfache Proben- oder Konzertmitschnitte ist diese Lösung prädestiniert, muss man doch nicht langwierig verschiedenstes Equipment aufbauen. Zudem kann auch von der Low-Budget-Lösung ausgehend zur semiprofessionellen Variante nach und nach ausgebaut werden. Letztendlich entscheiden der Einsatzzweck und/oder der Geldbeutel.

Hier hört Ihr zwei Aufnahmen, die mit beiden Varianten aufgenommen wurden:

Unbearbeitete Aufnahme mit ZOOM H2n:

Unbearbeitete Aufnahme mit Tascam US-1800, AKG Perception 420:

Diese Aufnahmen wurden nicht weiter bearbeitet, sondern lediglich in MP3 (320kbit/s) gewandelt. Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten hört sich das dann so an:

Aufnahme mit Tascam US-1800, AKG Perception 420 über Cubase, weitere Instrumente Flügel, Bass, Schlagzeug:

Wie Ihr mit einer DAW-Software eine gut klingende Mehrspur-Aufnahme erstellt, wird demnächst in einem weiteren Tutorial behandelt.

 

© brass-tipps.de, td

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